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GORILLA TOURTAGEBUCH: JUGENDGEFÄNGNIS REGIS-BREITINGEN / FAZIT!

Der Alltag im Jugendgefängnis! Maxi erzählt über den Tag „hinter Gittern“! – DER WORKSHOP UND MEIN PERSÖNLICHES FAZIT

Nachdem alles ready aufgebaut war, die Begrüßungsrunde super verlief und alle Jungs einen entspannten Eindruck machten, ging es weiter in die Freestylesport Workshops. Aufgeteilt in Gruppen: Freestyle Soccer/Footbag, Parcour, Skateboarden, Longboarden, Freestyle Frisbee und Breakdance. Jetzt hieß es für die Inhaftierten einen Tag lang: FUN TIMES, GOOD TIMES, RAAAAD TIMES HINTER GITTERN!

Ich durchlief alle Stationen und musste schnell feststellen, dass wirklich alle Jungs mega Bock hatten. Kein einziger schämte sich, keiner war aggro, keiner war schlecht drauf. Schnell kam ich mit Inhaftierten in´s Gespräch, wir plauderten, lachte und machten Witzchen.

„Harte Schale, weicher Kern!“, das war mein erster Gedanke! Das Eis war gebrochen, Vorurteile gab es keine, wir GORILLA´s haben die Häftlinge respektiert und die Häftlinge uns. Alle waren auf gleicher Augenhöhe.

In der Breakdance Halle dröhnten die Beats, und die Boys tanzten was das Zeug hält. Mike 23: „Eigentlich stemme ich nur Gewichte, und mache Krafttraining….aber das hier ist viel anstrengender als mein normales Training.“, „Ich finds echt mega geil. Da bleib ich jetzt dran.“, sagt Jan, 25. GORILLA Coach Navid: „Fühlt den Beat, spürt den Rhytmus, bewegt euch einfach ohne darüber nachzudenken. Tanzen bedeutet Freiheit!“ – Viele der Boys schlossen ihre Augen und fühlten den FLOW, ein zufriedenes Grinsen in den Gesichtern der Inhaftierten zeigte mir, dass alle Teilnehmer sich in ihrer eigenen „Freestyle Dance Welt“ befanden, weg von dem Knastalltag, rein in die Freiheit….ein schönes Gefühl – auch für mich!

Auch Uwe Hinz, der Anstaltsleiter der JSA Regis-Breitingen war begeistert vom GORILLA Workshop. „Wir hoffen, dass damit Impulse gesetzt werden für die Freizeitgestaltung. Vielleicht bleibt bei dem ein oder anderen was hängen, was sie später in ihrem – hoffentlich straffreien – Leben machen können.“

Nebenan rollten die Skater und Longboarder durch die Gänge, der triste graue Gefängnisflur wurde zu einer Streetskatehalle umgebaut. Ca. 20 Jungs auf Skate- und Longboards. Schon nach einer 1/2 Stunde schossen die Boys ober die Obstacles. „Wer bremst verliert!“ – schrie einer der Jungs zu mir rüber. Max, ein weiterer Inhaftierter machte Tricks bei denen wir alle nicht schlecht staunten. „Ich war früher nur mit meinem Brett unterwegs, bin sogar Contests gefahren. Stand seit 2 Jahren aber nicht mehr auf dem Brett. Es ist so geil!“. Die Jungs waren miteinander down, hatten Spaß mit den Coaches und sogar die Vollzugsbediensteten hatten heute, trotz all dem Trubel, einen entspannten Tag. HIGH 5!

Im großen Innenhof hatten sich mittlerweile die Parkour Jungs, Frisbee Fraktion und Fußball/Footbag Gruppen versammelt. Unser Freestylesoccer Coach Patrick zeigte den Inhaftierten seine Tricks, die Parkour Jungs standen schwitzend bei 27 Grad an den Trainingsstangen, machten Flick Flacks, Rollen in der Luft und sprangen über Tischtennisplatten als wäre es ein Legotisch. Musti 23: „Früher bin ich immer von der Polizei davon gerannt! Das hilft mir jetzt bei dem Parkour Training!“ – auch bei den Freestylefrisbee Spielern gab es ziemlich schnelle Fortschritte, Gelächter, und nur positive Vibes.

Dann ging es in verschiedenen Gruppen ans Frühstücksbuffet. Auch bzw. insbesondere die Insassen lernten dabei noch jede Menge rund um gesunde Ernährung und konnten sich durch die bunte, reichhaltige Auswahl probieren. Normalerweise gibt es in der JSA zum Frühstück eine Semmel und Marmelade. Da war unser GORILLA Frühstück eine willkommene Abwechslung. Und schnell merkten die Jungs auch dass Haferflocken, Bananen und Co. doch ganz schön satt machen und richtig Power geben. Genug Power um wieder zur Tat zu schreiten und die vorher erlernten Skills nochmal zu verfeinern. Nach dem Mittagsbuffet kam dann der entspanntere Teil des Tages. Beim Upcycling Atelier durfte jeder ein T-Shirt mit Graffity verschönern, Smoothies wurden gemixt und nicht zuletzt lernten die Boys wie sie sich mental runterfahren und entspannen können.

Besonders emotional war dann die Verabschiedungsrunde. Ausnahmslos alle hatten richtig viel Spaß und waren super happy über diesen wahnsinns Tag. Und ein toller Ansporn für die Haftentlassung: Samt ihren privaten Sachen dürfen sie auch ein GORILLA Säcklein samt Flasche, Kochbuch und Co. mitnehmen und so positiv, mit jeder Menge GORILLA Input in Richtung Zukunft starten.

 

MEIN PERSÖNLICHES FAZIT:

„KNAST“ wird immer und eigentlich von allen mit einem negativen Beigeschmack aufgenommen. Dort sind „ALLE BÖSE“, dort sind „ALLE GRUSELIG“, der Knast ist DUNKEL, LANGWEILIG, KRIMINELL. Die Inhaftierten sind ASSI, ARM, WÜTEND und SAUER AUF ALLES UND JEDEN! – Eigentlich ist der „Knast“ kein Platz an dem man sein will. EIGENTLICH! Für mich ist der KNAST ein Platz an dem ich gerne war, der Knast ist für mich nich mehr düster, böse und unangenehm.  Der Jugendknast ist für mich ein Platz in dem Jugendliche sitzen die Scheisse gebaut haben, egal was die Inhaftierten getan haben, für mich und das ganze GORILLA Team war das nicht relevant.

Wir haben versucht ihnen eine Zukunftsperspektive aufzuzeigen. Input gegeben wie ein Leben sinnvoll und healthy gestaltet werden kann und welche Ventile – fernab von Gewalt – es gibt, wenn man doch mal einen „Sidekick vom Leben“ kriegt. Ich denke dass ist uns auch ziemlich gut gelungen!

„Die Augen der Jungs strahlen, wenn man sich mit ihnen darüber unterhält. Und das will etwas heißen, denn Gefühle im Knast zeigen, gilt ja als nicht besonders cool. Sie waren von euch absolut begeistert. Ihr seid ihnen auf Augenhöhe begegnet, hattet keine Vorurteile und habt sie respektiert und wertgeschätzt. Das bedeutet ihnen sehr viel, denn oft haben sie in ihrem bisherigen Leben nur Gegenteiliges erfahren.“, so das Feedback JSA Vollzugsbediensteten.

Und genau so wurde mir und dem Team wie durch einen Spiegel das Gleiche von den Inhaftierten zurück gegeben. RESPEKT! WERTSCHÄTZUNG und DANKBARKEIT!

 

Ich hoffe ich konnte euch da draußen einen kleinen Einblick in den „Alltag“ im Jugendgefängnis näher bringen. Denkt mal drüber nach…nicht alles was SCHWARZ ist, ist auch wirklich SCHWARZ, und nicht alles was WEISS ist, ist WEISS….lasst uns doch in der Mitte treffen!

 

Stay GOOD, stay GOLD, stay HAPPY!

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